Mitteilungsblatt des Naturparks der Julischen Voralpen N.1 Juni 1998 S.2
(Route ausgegearbeitet von A. Buttolo) )
Zu den einzigartigsten und faszinierndsten Erscheinungen in den Kalkalpen gehören wohl die Naturfenster. Das nicht sehr häufig auftretende Phänomen ist auch in unseren Bergen anzutreffen. Die Fenster werden manchmal von Felsen überragt, die einige Meter dick sind so dass mehr oder wenig breite natürliche Bögen entstehen, andere Male werden sie von stärkeren Schichten überragt. In der Region Friaul-Julisch Venetien gibt es verschiedene Beispiele dieser Art. Zu den bekanntesten von dem ersteren Typus gehören in den Karnischen Alpen die Fenster der Creta Forata, in den sogenannten Dolomiti Pesatine, und entlang der Cresta Forada im Massiv des M.te Bivera. In den Julischen Alpen ist in der Gruppe des M.te Cimone das Fenster nahe der Forca de la Puartate nennenswert. Zur zweiten Morphologie gehören Fenster, wie jene nahe des M. Capolago – Karnische Alpen / Wolayer Berge oder das Fenster des Monte Forato – Julische Alpen / Gruppe des M.Canin. Der letzten Kategorie ähnlich, aber weniger bekannt ist der Stollen, der in den festen Dachsteinkalk gegraben wurde, der knapp unter dem Gebirgskamm liegt, der die beiden Höhen 1855 und 1844 der Gebirgskette, die als Gipfel des Monte Musi bekannt sind, verbindet. Das als Übergang nicht benutzbare Fenster ist von der Nordseite aus leicht erreichbar, während der gegenüberliegende Südhang sehr abschüssig ist.
Der Besuch der Höhle zeigt die faszinierende Karstlandschaft mit Klüften, Karstbrunnen, Dolinen und Furchenfelder, die vor kurzem Gegenstand erfolgreicher Höhlenerkundungen waren.
Außerdem bietet diese Tour auch die Möglichkeit, Flora und Fauna dieser Gegend kennen zu lernen. Beim Lauschen des melodiösen Gezirpes oder der sanften Töne der Heckenbraunelle oder der Klappergrasmücke ist es möglich, auch den schrillen Schrei von Murmeltieren oder der nicht selten anzutreffenden Gämsen wahrzunehmen. Eine wahre Augenweide sind der schneeweiße Traunfellner-Hahnenfuß, das Zwerg-Täschelkraut oder das zweifärbige Alpen-Leinkraut. Sonnige Stellen bieten den idealen Lebensraum für die wunderschöne Cengio-Schwertlilie. Im resianischen Dialekt wird die Höhle Zavuotle genannt, während sie im Friulanischen als La Mont Forade bekannt ist. Um sie zu erreichen, ist es ratsam, den Aufstieg im Spätfrühling oder im Frühherbst zu unternehmen. Sollte allerdings der Sommer sehr heiß sein, dann ist die Besichtigung sicher ein einmaliges Erlebnis.
AUFSTIEG
Von der Ostseite der Sella Carnizza, auf der Seite der Stavoli Gnivizza, aus mündet man in einen kleinen Weg, der nach Süden auf dem darüber liegenden bewaldeten Hang führt. Nachdem man die Überreste eines militärischen Bauwerks in 1.140 Meter erreicht hat, geht man leicht aufwärts nach rechts bis in eine Höhe von 1.170, wo der Weg abrupt nach links dreht. Der Weg ist nicht gut erkennbar, aber wenn man sich auch an verblassten Markierungen orientiert, die man zum Großteil entlang der Route findet, hält man sich nahe an der Linie, wo sich die Hangneigung verändert. Auf 1.190 Meter trifft man auf eine Furche an der Oberfläche, an man bis an ihr Ende hinaufsteigt. Dort biegt man nach links ab, um die durchfurchten Felsplatten zu umgehen. Der Weg ist nicht gut sichtbar. Man steigt fast gerade bis in 1.340 Meter Seehöhe an der Basis einer steilen Felswand mit Strauchvegetation auf. Den Felsen rechts umgehen und einen kleinen Kanal in Angriff nehmen, bis man ein erste Kiesmulde erreicht. Dann geht es eben auf der rechten Seite weiter, an einer Grotte vorbei, die bei Schlechtwetter als Unterstand dient.
Vorbei an einem Zeltlager für Höhlenforscher beginnt eine lange Traverse, die mit einigem Auf und Ab an der Basis einer niedrigen Felswand vorbeiführt. Sobald es möglich ist, nach links abbiegen. Man erreicht einen kleinen Felsvorsprung (1.520 m) am Rande einer ausgedehnten Kiesdepression. Oberhalb erscheinen kantige Felsblöcke. Nach einem kurzen Anstieg und einigen Kehren erreicht man diese Felsen (1.565 m). Hier sind die Überreste der armseligen Unterstände der Hirten zu sehen, die knapp nach 1890 zur Gänze verlassen worden sind. Nach kurzem Aufstieg erreicht man ein Kar mit unterschiedlich großen Felsblöcken, das an den nördlichen und östlichen Seiten verläuft. In einigen Kehren erreicht man schließlich eine Geröllhalde, wo man den markierten Weg verlässt, der nach rechts in rund 20 Minuten zu dem kuriosen Felsspalt führt, in dessen Inneren sich die Statue der Madonnina del Cacciatore befindet (bis hier beträgt die Gehzeit ab der Weggabelung 2 Stunden). Man lässt links einen ungewissen, rot markierten Höhlenpfad beiseite. Weiter geht es direkt aufwärts (wir befinden uns in 1.675 m). Zwischen den Felsblöcken ist eine Art Weg zu erkennen. Nachdem man eine Schwelle in 1.750 m Seehöhe erreicht hat, öffnet sich der Blick auf ein karges Hochplateau, das durch imposante Karsterscheinungen geprägt ist. Weiter unten verliert er sich in Steilhänge, die von Latschen bedeckt sind. Vom Übergang aus kann man entweder in das darunter liegende kleine Tal direkt durch eine Rinne mit Felsblöcken absteigen oder die nahen Wände des Musi-Massivs umgehen, indem man bei nächster Gelegenheit in das genannte kleine Tal absteigt.
Nachdem man in 1.680 m Seehöhe den tiefsten Punkt der steilen Felsen erreicht hat, umgeht man die steilen Hänge des 1.855 Meter hohen Gipfels. Dort wo die Felsbastion einen deutliche Einbuchtung bildet, kann man oben links eine steile Wiese sehen, die im Osten durch eine Kiesrinne begrenzt ist, die sich weiter oben in einen kleinen Felskanal verwandelt, auf dessen Spitze eine Nische erkennbar ist.
Es gibt zwei Möglichkeiten diese Nische zu erreichen. Entweder man steigt durch die Rinne auf, wobei man einen leichten Kletterabschnitt zu bewältigen hat, oder man klettert auf einem schmalen Pfad zur oben genannten Wiese empor. Dort sieht man, wenn auch nicht zur Gänze, auf der linken Seite das Naturfenster. Um dorthin zu gelangen, muss man von einer kleinen Nase einige Meter klettern (Schwierigkeitsgrad 1) und Erdschollen auf einem exponierten Felsband queren. Nur noch wenige Meter trennen von dem kuriosen Portal. Davor befindet sich ein regelmäßiger Gesteinsmonolith, ein ewiger, stiller Wächter (1,00 Stunde 3,00 Stunden). Nach der Höhle, die 5 m breit und 6 m hoch und genauso tief ist, folgt nach Süden hin ein kiesiger Weg ins Tal, der dann in eine unwegsame Rinne eintaucht. Von der Basis des letzten Hanges gibt es zwei Möglichkeiten für die Rückkehr: die eine über den Aufstieg, die andere über eine weniger bekannte Route, die keinen Pfad hat und den Berggehern mit mehr Erfahrung vorbehalten ist. Wenn man sich für letztere Lösung entscheidet, muss man lange nach links ostwärts in Richtung eines kleinen Sattels auf 1.634 Meter Höhe gehen, unmittelbar darunter und nördlich dieser auffälligen Bergspitze in 1.703 Meter, die in Resia als Jascarica bekannt ist. Man quert nun ohne Weg ein landschaftlich interessantes Gebiet, das durch Felsblöcke, Furchenfelder und Klüfte geprägt ist. In rund 40 Minuten ist die Scharte erreicht. Dann steigt man auf der linken hydrographischen Seite in das darunter liegende Tälchen, wobei man abschnittsweise auf den alten Pfad stößt. Der Abstieg hat immer auf dieser Seite zu erfolgen, auch dort wo die Vegetation das Gehen behindert. Nachdem man die Überreste einer armseligen Hirtenhütte gestreift hat und einige Mulden in der Seehöhe von 1.260 Meter gequert hat, bildet der Wald auf der linken Seite eine undurchlässige Barriere, während auf der rechten Seite ein steile, grasbewachsene Rinne abwärts führt. Am Ende angekommen, öffnet sich ein Plateau mit Felsblöcken, die zum Teil von der Vegetation überwuchert werden. Nachdem man ohne Schwierigkeit diesen Hang auf 1.150 Meter erreicht hat, biegt man stark nach links in Richtung Nord-Nordost ab. Man taucht in den Buchenwald ein, wo man einen schlechten Weg vorfindet. Etwas unklar geht es zum Kirchlein S. Anna di Camizza. Nach einer kargen Wiese erreicht man den großen Saumpfad zur Bocchetta di Zaiavor, Zajauron im resianischen Dialekt, der durch die Route C.A.I. 727 in der Nähe einer kleinen einsamen Rottanne markiert ist. Wenn man nach links abbiegt, erreicht man auf einem bequemen Pfad in wenigen Minuten die reizende Bergkapelle. (l,OO-1,40 Stunden). Am Ende dieser Ausführungen möchte ich Herrn Luigi Bobaz und Herrn Sabino di Lischiazze für die zur Verfügung gestellten Informationen danken. Ich möchte die Bergwanderer dieser Route auf zwei mögliche Gefahren hinweisen: zum einen ist auf den Schnee zu achten, der zu Saisonbeginn noch die Hänge bedecken kann und zum anderen auf die Vipern, die in den Grasabschnitten häufig anzutreffen sind.
Karte