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Das Tal des Rio Nero - Das Venzonassa-Tal - Das Naturfenster in den Monti Musi
Aufstieg auf den Monte Cadin - Rio Resartico - Malga Coot

Mitteilungsblatt des Naturparks der Julischen Voralpen N.1 Juni 1997 S. 6,7
(Route ausgearbeitet von S. Fadi, M. Tondolo und M. Toniutti)

Casera Man zweigt in Resiutta in die Provinzstraße Nr. 42 ab und fährt rund 6 km in das Resia-Tal. Nach der Abzweigung nach S.Giorgio und Prato geht es noch 150-200 m weiter. Das Auto am kleinen Platz auf der rechten Straßenseite in der Ortschaft Tigo parken.
Nach dem Steg über den Resia-Wildbach (in 360 m Seehöhe) nach rechts abbiegen und dem Bachlauf einige hundert Meter folgen (rund 15-20 min.). Der Weg verläuft flach und führt abwechselnd durch strenge, dunkle Schwarzkieferwälder und über lichtdurchflutete Wiesen, wo einige Hütten anstelle der früheren Stavoli (typische Wirtschaftsgebäude, die man während des Almauftriebes nutzte) stehen.
Unmittelbar nach einem kleinen Bach geht es rund zehn Meter aufwärts bis zu einem kleinen Sattel, der zwischen zwei Erhebungen liegt. Es handelt sich um eine Moräne aus der Würmzeit, die von einem, vom Talschluss des Val Resia kommenden Gletscher abgelagert und in der Folge von seinem Schmelzwasser abgetragen wurde. Nun geht es zum Kiesbett des Rio Nero hinunter, das durch die terrassierten Anschwemmungen geprägt ist.
Die Schwemmterrassen des Rio Nero ('Cerni Potok' im resianischen Dialekt) sind von schillernder Vegetation bedeckt, von den Pionierstadien bis zum Wald. Am interessantesten ist allerdings die Vegetation, bei der die Alpinarten vorherrschen, wie die Silberwurz (Dryas octopetala), die die jüngeren Anschwemmungen bedecken und die echte Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), die zusammen mit Winterheide und Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) wäschst, unterhalb einiger Gruppierungen von Schwarzkiefer. Außerdem sind wichtige endemische Arten vorhanden, wie die karnische Levkoje (Matthiola carnica), die gelb-rosafarbene Kornblume (Centaurea dichroantha) und der Löwenzahn (Leontodon berinii). Die Fischpopulation des Baches besteht vorwiegend aus Lachsen, mit Bachforellen und Kreuzungen von Bachforelle und marmorierter Forelle. Hier heimisch ist auch die Koppe. Nach dem Überqueren des Holzsteges über den Bach nach links abbiegen und den Bach entlang gehen (CAI 703) und in das immer enger werdende Tal weiter vordringen. Durch die intensive Erosion des Wassers entstand eine tiefe Schlucht und ließ die typische Flussmorphologie der Klamm entstehen. Man verlässt nun das Bachbett und steigt den Felswänden einer Rinne entlang in Kehren, die aus Trockenmauern errichtet wurde, bergauf.
Man steigt rasch bergauf und trifft auf der rechten Wegseite auf eine kleine Quelle (der die Bewohner des Resia-Tals eine wundersame Wirkung zusprechen), die aus dem Felsen heraussprudelt. Der Weg führt nun auf Holzstufen weiter. Man trifft auf ein altes Gedächtniskreuz und eine kleine Madonna: von dieser Stelle aus kann man einen wunderschönen Ausblick auf den gegenüberliegenden Hang mit Schwarzkiefer-Mutterbestand genießen (Pinus nigra ssp. austriaca).
Mutterbestände sind von grundlegender Bedeutung für die Baumschulen: die Herkunft des Saatgutes für Baumschulen und zur Aufforstung muss bekannt und zertifiziert sein und bestimmte genetische Anforderungen erfüllen, um die schrittweise und laufende Verbesserung des italienischen Waldbestandes zu fördern. Aus diesem Grund wurde das Libro Nazionale dei Boschi da Seme, das Nationale Buch des Samenerntebestandes, eingeführt. In diesem offiziellen Register sind die Wälder mit den besten Eigenschaften eingetragen. In diesem angesehenen Register ist auch der Schwarzkieferwald eingetragen, der sich im Schlussteil des Tales auf der rechten Seite befindet. Die Schwarzkieferwälder, durch die die Route verläuft, gehören aufgrund der starken Neigung und der vielen Niederschläge zur ökologischen Variante der Feuchtsubstrate. Stark verbreitet sind hier das Berg-Reitgras (Calamagrostis varia) und das Rohrpfeifengras (Molinia arundinacea), auch wenn hier Erika und Kalk-Blaugras, die mehr Trockenheit bevorzugen, nicht fehlen.
Nach dem Überqueren der Rinne führt der im Fels ausgehöhlte Weg weiter. Begleitet wird man vom Getöse des Baches. Die Landschaft ist hier besonders reizvoll: der schmale Weg, der den Talseiten entlang verläuft, alte und verkrümmte Kiefern, die auf Felswänden wachsen, tiefe Schluchten, tosende Wasserfälle und grüne Wasserpfützen entlang des Baches sind die wichtigsten Erscheinungsbilder.
Die reifen Samen der Kiefer stellen für viele Säugetiere und Vögel eine willkommene Nahrung dar: aufgrund ihres hohen Gehalts an Öl und Energiestoffen sind sie ein wichtiges Nahrungsmittel vor allem während der Winterzeit, wenn der Kalorienbedarf der Tiere höher ist.
Man geht einige hundert Meter durch diese Landschaft bis zu einem mit Buchenwald bedeckten Sattel. Man lässt diesen liegen und geht ein kurzes Stück bergab bis zum Bach. Diesen überquert man bequem über eine Brücke aus Baumstämmen. Die Landschaft ist hier wild und rau, mit steilen Felswänden, Weidenbäumen und Alpenrosen.
Anstrengend ist der erneute Aufstieg über die Geröllhalde (ein Stahlseil dient hier einem leichteren Auf- und Abstieg). Nach dem Queren eines Nebenbaches taucht man langsam in eine ganz andere Landschaft ein: die nackten Felsen vom ersten Routenabschnitt werden nun durch die dichten Buchenwälder des oberen Talabschnittes abgelöst.
Diese Populationen gehören, aufgrund der frischen, feuchten Luftströme entlang des Baches und der Lage, zu den Buchenwäldern des Hochgebirges. Sie besitzen die typischen Elemente, darunter den rundblättrigen Steinbrech (Saxifraga rotundifolia), die essbare Vogelbeere (Sorbus aucuparia), den Alpengoldregen (Laburnum alpinum) und die schwarze Heckenkirsche (Lonicera nigra). Zu den typischen Waldbewohnern zählen der Siebenschläfer, die Alpenspitzmaus sowie unter den Raubvögeln der Habicht.
Im Schatten des Waldes geht es einen langen Abschnitt weiter. Nach 15-20 minütiger Gehzeit sieht man unter dem Weg die Überreste einer alten Schleuse zum Holzflößen (723 m), die sich im Waldbesitz der Gemeinde Resia befindet. Man unterscheidet zwei große Steinklausen, eine Konstruktion aus übereinander gestapelten und zusammengenagelten Buchenstämmen, die mit hiesigen Steinen befüllt wurde.
Die Schleuse sperrte den Wasserlauf des Baches ab, wodurch ein kleines künstliches Becken entstand. Hatte das Becken den Höchststand erreicht hat, wurde die Schleuse geöffnet, so dass die ausströmende Wassermasse das zuvor angehäufte Holz weiter transportierte. Es handelte sich um ein im ganzen Bergland weit verbreitetes Transportsystem (bis in die 50er und 60er Jahre). Die Schleuse am Rio Nero war 5 m breit an der Basis und 25 m in der Höhe. Sie erreichte eine Höhe von 8 m und begrenzte im Oberbereich ein Becken mit einem Fassungsvermögen von 1500 m3.
Die Route führt noch rund fünfzehn Minuten durch den Wald bis zu einem ausgetrockneten Bach.
Die Tallandschaft zeigt jetzt noch die für die Gletschertätigkeit typisch morphologischen Eigenschaften. Bald erreicht man (rot-weißer CAI-Weg 703) die auf einer Waldlichtung gelegene sanierte Casera Rio Nero (865 m), die von Rottannen und Lärchen umgeben ist.
Wenn man die hier vorhandene Naturlandschaft betrachtet, so bemerkt man, dass die auf dieser Höhe wachsenden Rottannen und Lärchen nicht natürlich entstanden sind. Dies bedeutet, dass diese Waldstreifen vor rund 30 Jahren vom Menschen künstlich angelegt wurden. Diese Maßnahmen (die in den 60er Jahren sehr verbreitet waren) haben Populationen entstehen lassen, die, da sie nicht wirklich in diesen Lebensraum passen, gegenüber Parasiten, Witterungseinflüssen und Bränden sehr anfällig sind. Außerdem weisen sie eine geringere Regenerationsfähigkeit auf, wenn sie einmal beschädigt wurden.
Die Almhütte wurde bis in die 50er Jahre zur Almbewirtschaftung im Sommer benutzt: hier weideten rund vierzig Rinder und ebenso viele Ziegen, wie dies aus dem im Jahr 1911 veröffentlichten Mitteilungsblatt des Friulanischen Agrarverbandes (Associazione Agraria Friulana) hervorgeht. Die Alm wurde für je ein Jahr verpachtet, da es keine Almbetreiber gab, die langfristigere Verträge abschließen wollten. Die Almhütte wurde bei den Erdbeben im Jahre 1976 zerstört, dann allerdings 1990 wieder aufgebaut. Heute hat sie die Funktion einer Schutzhütte, die den Initiativen des Naturparks der Julischen Voralpen dient. Von der Hochebene aus hat man einen Ausblick auf die Cime di Campo und einen Teil des Musi-Massivs. Der Rückmarsch erfolgt auf derselben Route. Von der Hütte aus kann man den Talschluss bis zur Forcella La Forchia aufsteigen oder in Richtung Forca Campidello (CAI 726) weitergehen, oder man schlägt die Route 707a zur Forca Tasacuzzer ein und besteigt anschließend (Route 707) den Gipfel des Monte Cuzzer (1462 m).
Die Samen sind auch beim Eichkätzchen und der Gelbhalsmaus beliebt, die flink zu den Zapfen in den Baumgipfeln klettern. Ebenso begehrt sind sie von anderen Nagern, wie der rötlichen Schermaus, die sich mit dem zufrieden geben muss, was auf die Erde fällt oder was der Wind losreißt. Unter den Vögeln sind die Fichtenkreuzschnäbel die geschicktesten, um die Samen aus den Zapfen zu picken. Dem stehen aber keineswegs der Mauerspecht und einige andere Spechtarten, wie der Buntspecht, um nichts nach, die mit ihrem Schnabel ganz gekonnt die Samen aus den Zapfen holen.

Karte

Kartographie
Wanderkarte - Maßstab 1:25.000 - Blatt 020
Prealpi Carniche e Giulie del Gemonese - Blatt 027
(Karnische und Julische Voralpen im Raum Gemona)
Canin-Valli di Resia e Raccolana - Edizioni Tabacco
(Canin-Resia- und Raccolana-Tal – Verlag Tabacco)

Bibliographie

VERSCHIEDENE AUTOREN AUTORI VARI
Il Cammina
Friuli-VeneziaGiulia
Edizioni Ambiente, Milano/Mailand 1995.

GRUPPO ALP. GHIRI DI RESIA,
La Val Resia e le sue montagne
(Das Resia-Tal und seine Berge)
Bolzano/Bozen 1987.

SGOBINO F.,
Il Parco Naturale delle Prealpi Giulie.
(Der Naturpark der Julischen Voralpen)
Geologia e clima,
(Geologie und Klima)
Comitato di coordinamento, Resia 1994
(Koordinierungskomitee, Resia 1994)

SIMONETTI A.
L'antica tecnica della fluitazione del legname mediante l'utilizzo di chiuse
(Die antike Technik der Holzflößerei mit Hilfe von Schleusen)
Comunità Montana Canal del Ferro-Val Canale
(Berggemeinschaft Kanal- und Eisental)
Pontebba 1993.

SIMONETTI G.
Il Parco Naturale delle Prealpi Giulie. Vegetazione
(Der Naturpark der Julischen Voralpen. Vegetation)
Koordinierungskomitee - Resia 1997

 
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