In der Alpenregion gab es in der letzten Million von Jahren mehrere Eiszeiten, die von recht warmen oder milden Phasen unterbrochen wurden. In der morphologischen Entwicklung kam es somit abwechselnd zu glazialen und fluvialen Erosionsprozessen. Dieses Phänomen hat dazu geführt, dass heute, neben den typischen fluvialen Morphologien, häufig Charakteristika der glazialen Morphologie zu Tage treten. Dies passiert vor allem in den oberen Talbereichen, wo man schöne Beispiele einwandfrei erhaltener Kare sehen kann: in der Ortschaft Cjadinut (M. Cadin) und vor allem am großen Hochplateau von Foran dal Muss-Piano di Prevala, wo Spuren von jungen Gletschern erkennbar sind. Bis heute noch ist, neben anderen kleinen Firnfeldern, ein kleiner Teil unmittelbar im Norden des Gipfels des M.Canin erhalten.
Dieses Phänomen ist von Bedeutung, da dieser Gletscher einer der wenigen in den Ostalpen ist, der sich vor allem niedriger liegt. Dies lässt sich auf zwei grundlegende Faktoren zurückführen: die beachtlichen Niederschläge in dem Gebiet sowie die Nordlage. Noch intakte oder fast intakte Gletschertäler kommen zahlreich entlang der Nordhänge der Bergketten ans Tageslicht: M. Musi und das obere Lavaruzza-Tal. In einigen Fällen sind Spuren von Gletscher-Stadien nach der letzten Eiszeit vorhanden, die Moränenbögen auch von beachtlicher Breite hinterlassen haben. Der am besten erhaltene Moränenbogen ist jener nahe von S. Anna di Carnizza, der aus einem kleinen Gletscher gebildet wurde, der sich vomM. Zaiavor ins Tal erstreckte. Die fluviale Morphologie überwiegt hingegen im unteren Talabschnitt, wo es im Allgemeinen eine sehr intensive Erosion gibt.
Es gibt zahlreiche Beispiele für Täler mit tiefen Einschnitten oder sogar mit Klammen. Charakteristisch sind die des Rio Nero oder Cerni Patok und des Venzonassa-Baches, vom Ort Stuve nach Venzone. Im Parkgebiet gibt es außerdem einige Beispiele für hängende Täler, wie die von Lavaruzza, Cjampeit und Lavarie. Diese schauen auf die Ebene des Tagliamento-Fella mit einem Höhenunterschied von 200-250 m. Bei fluvialer Tätigkeit entsteht hier ein großer Wasserfall. Nicht außergewöhnlich sind die Wasserläufe, die spektakuläre Wasserschnellen und Kaskaden bilden. Neben den bereits erwähnten gehört zu den besonders imposanten der Fontanone Barman, eine Karstquelle mit beachtlicher Wassermenge, die Kaskaden am Rio Lavarie, etwas westlich von Plan dai Portolans, die Kaskaden am Lavaruzza in der Ortschaft Parés und schließlich am Rio Nero im Klammabschnitt. Zwischen dem Monte Cadin und der Cima di Campo befindet sich dann ein seltenes Beispiel für ein fossiles Tal mit aufgestautem Wasser.
In der Ortschaft Cjadinut ist heute noch der Talschluss eines früheren, nach Westen verlaufenden Tales gut erhalten. Die Spuren des Talbodens sind heute noch bis zur Malga Campo sichtbar und entstanden aus den charakteristischen Gegenhängen, die heute in tiefe, quer laufende Einschnitte eingeschoben sind, die von den Bächen Cadin, Palalunga und Miniera gebildet wurden und die für das Phänomen des Aufstauens verantwortlich sind. Die Karstmorphologie findet am Hochplateau des Foran dal Muss, am Fuße des M.Canin, ihre größte Entfaltung. Hier sind praktisch alle ober- und unterirdischen Karsterscheinungen anzutreffen, wodurch sie einen authentischen Karstgarten von beachtlichem Ausmaß bilden: von Bila Pec bis Cuel Scláf. Die Phänomene treten besonders intensiv am Col delle Erbe und am Foran del Muss zu Tage, wo sich die meisten Höhlen in dem Gebiet, die über 1000 Meter tief sind, befinden.